Der Veranstaltungskalender

 

19.9.2017, 9:30 Uhr, Jena, Deutscher Orientalistentag an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Viktor Kalinke zur Übersetzung des Buches „Zhuangzi“

Vortrag

„Von allen bedeutenden Werken des alten China nährt das Buch Zhuangzi den Geist auf die faszinierendste, poetischste und vielfältigste Weise.“ Liu Xiaogan

Im deutschen Sprachraum existiert bis heute keine vollständige Übersetzung des Zhuangzi aus dem Chinesischen. Die Zhuangzi-Rezeption wird von der Ausgabe aus dem Jahr 1912 von Richard Wilhelm dominiert, der den Text um ein Drittel gekürzt und neu gegliedert hat. Wilhelms über­setzerische Pionierleistung wird darüberhinaus durch seine Eigenart geschmälert, christliche Namen wie z.B. „Leviathan“ in den altchinesischen Text einzufügen, obwohl diese dort nicht vorkommen. Das daoistische Denken, das auch im Westen in den letzten Jahrzehnten eine Belebung erfahren hat, stützte sich im deutsch­sprachigen Raum bislang auf eine völlig unzureichende Textgrundlage.

Diese Lücke wird durch die hier vorgelegte, zweisprachige Ausgabe geschlossen. Innerhalb eines siebenjährigen Editions­projektes wurden zunächst zwei Interlinearfassungen aus der chinesischen Vorlage erarbeitet, im ersten Schritt Zeichen für Zeichen, im zweiten Satz für Satz. Begleitend zur Übersetzung wurde ein Glossar angelegt, das nicht nur die Kernbegriffe, sondern sämtliche im Zhuangzi und im Laozi vorkommenden Zeichen umfaßt. Abschließend wurde der Fokus auf die poetische und literarische Qualität der Wiedergabe der Metaphern, Ge­schichten und Dialoge im Zhuangzi gerichtet. Eingeflossen ist außerdem die Lektüre führender englischsprachiger Übersetzungen sowie klassischer Kommentare zum Zhuangzi. Im Ergebnis ist eine zweisprachige, hin­sichtlich ihrer Zuverlässigkeit überprüfbare Referenzausgabe entstanden, die dem deutschsprachigen Publikum Anschluß an die lebhafte internationale Diskussion zum Daoismus verschafft und als Textgrundlage für weitere Reflexionen dienen kann.

Der Deutsche Orientalistentag (DOT) ist die größte Fachveranstaltung der deutschen Orientalistik und einer der bedeutendsten wissenschaftlichen Kongresse für orientalistische Studien weltweit. Das fachliche Spektrum umfasst den Alten und Modernen Vorderen Orient einschließlich Nordafrikas sowie den gesamten asiatischen Raum, mit Schwerpunkten in Zentral-, Süd- und Ostasien. Der erste DOT fand im Jahre 1921 in Leipzig statt. Mit Jena wird dieser Kongress 2017 zum ersten Mal in Thüringen abgehalten.

 

 


 

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